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Ideen für ein Programm zur Schaffung einer besseren Welt
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aus Schriftenreihe für menschenwürdige Wirtschaftsordnung
Terra Viva - Heft 3
von Günter Emde
9.
Ausgabe 20.3.2009
Inhalt:
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Die heutige Welt steht unter dem Diktat einer starren Wirtschaftsideologie,
die den Wohlhabenden einen ständigen weiteren Zuwachs zum Vermögen
beschert, während ein Großteil der Erdbevölkerung in Not und Hunger
getrieben, die Umwelt geschädigt und die Lebensbedingungen künftiger
Generationen beeinträchtigt werden.
Diese Ideologie wird genährt vom Streben der Menschen nach materiellem
Reichtum und Macht und ist durch Gesetze und internationale Verträge
zur herrschenden Wirtschaftsordnung stabilisiert worden. Umgekehrt
verführt sie die Menschen zu diesem Immer-mehr-haben-Wollen an Reichtum
und Macht; sie verdrängt so die edleren Anlagen des Menschen, die
seine eigentliche Würde ausmachen.
Ein Kennzeichen dieses Systems ist die Abhängigkeit der Wirtschaftsunternehmen
von den Kapitaleignern und infolgedessen der Zwang der Unternehmen
zu höchstmöglicher Gewinnerzielung, um die Kapitalgeber mit Wertsteigerungen
(shareholder value), Rückzahlungen, Dividenden und Zinsen bedienen
zu können. Die Unternehmen sind dadurch einerseits gezwungen, ihren
Umsatz auszuweiten und dazu von der Politik günstige Bedingungen
in einem globalen Markt zu fordern. Gleichzeitig müssen sie Kosten
einsparen; das gelingt insbesondere durch Personalabbau auf der
Grundlage von Automatisierung, Fusionierung und Rationalisierung,
sowie durch Produktionsverlagerung in Billiglohnländer. Von der
Politik wird verlangt, für die Senkung der Lohnnebenkosten zu sorgen
und die Auflagen für Umweltschutz, Tierschutz und Naturschutz zu
lockern, damit die Konjunktur wieder in Fahrt komme.
In der Folge entsteht zwangsläufig Arbeitslosigkeit. Sie wird
noch verstärkt dadurch, dass die kleineren Unternehmen, die gegen
den Konkurrenzdruck der Großunternehmen nicht mithalten können,
zugrunde gehen, ferner dadurch, dass der überschuldete Staat selbst
sein Personal reduzieren muss.
Der wohl entscheidende Grund für die Arbeitslosigkeit wird jedoch
in der öffentlichen Diskussion kaum angesprochen: Infolge des technischen
Fortschritts (Mechanisierung, Automatisierung) hat sich das Volumen
der menschlichen Arbeit, das zur Deckung des lebensnotwendigen Bedarfs
erforderlich ist, drastisch verringert.
Darin läge eigentlich die enorme Chance, die freiwerdende menschliche
Arbeitkraft für soziale Leistungen, für kulturelle Aktivitäten und
zur Pflege der natürlichen Umwelt einzusetzen; aber diese Möglichkeit
kann im Rahmen des bestehenden Systems, wegen der knappen öffentlichen
Kassen, nicht genutzt werden. Stattdessen wird unverändert Vollbeschäftigung
in der Erwerbswirtschaft angestrebt, die nie mehr erreichbar sein
wird.
In dieser Situation ist die Politik mit ihren herkömmlichen Instrumenten
vor eine unlösbare Aufgabe gestellt. Einerseits sind die Steuereinnahmen
gesunken infolge der hohen Arbeitslosigkeit; andererseits meint
man, den Wirtschaftsunternehmen Vergünstigungen einräumen zu müssen,
um die Konjunktur zu beleben. Der Staat glaubt sich darum gezwungen
zu Einsparungen bei sozialen Leistungen (sogen. "notwendige
Reformen des Sozialstaats") und bei der Förderung von Kultur,
Allgemeinbildung, Umwelt- und Naturschutz, also gerade in den Bereichen,
die das eigentlich Lebenswerte der Menschen ausmachen. So sind die
Politik und die Bürgergesellschaft zu Dienern der Wirtschaft geworden.
Unser Leben und unsere Zukunft wird von Wirtschaftsmächten geprägt.
Sie bestimmen die technischen Neuentwicklungen. Dabei spielt der
erzielbare Profit die entscheidende Rolle, nicht die Bedürfnisse
der Bedürftigen, denn diese sind ja nicht in der Lage den "Luxus"
zu bezahlen. Und die Politik unterstützt die freie Entfaltung der
Unternehmen, in der Erwartung, dass dadurch "die Wirtschaft
wächst" und neue Arbeitsplätze entstehen. Ob dabei Produkte
auf den Markt kommen, die für das Wohlergehen von Mensch und Natur
sinnvoll sind, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Aber unter
den Bürgern wächst der Widerstand gegen derart aufgezwungene Technologien:
z. B. gegen Gentechnik in der Landwirtschaft, gegen Elektrosmog
und Atomkraftwerke.
Man bedenke: Bis zur Finanzkrise floss pro Tag (!) mehr als eine
Milliarde Euro an Zinsen allein in Deutschland von den Bürgern zu
den Kapitaleignern und Kreditgebern; denn bei jedem Kauf werden
im Preis enthaltene Zinsen bezahlt, im Durchschnitt 30 bis 40 %.
Das sind pro Jahr über 400 Milliarden Euro, also weit mehr als der
Bundeshaushalt. Aufgrund des europäischen Stabilitätspaktes wird
die Geldmenge aber begrenzt: Kein Wunder, dass dann auch der Staat
hoch in Schulden gerät und seinen Aufgaben für die Bürger nicht
mehr nachkommen kann.
Einen Eindruck von den gewaltigen Geldmengen, die dem gesunden
Kreislauf dadurch entzogen sind, bekommt man beim Blick auf die
Unmenge an Devisen, die täglich weltweit gehandelt werden. Sie werden
auf ca. zwei Billionen $ geschätzt. Der normale Handel beziffert
sich aber auf nur etwa 40 Milliarden. Der Rest, das sind also etwa
50 mal mehr als der reguläre weltweite internationale Handel, und
sogar 20 mal mehr als das tägliche Weltsozialprodukt, wird zu Spekulationszwecken
(!!) gehandelt, Tendenz steigend mit einer Rate von 20 bis 25 %
pro Jahr (nach B. Litaer: "Das Geld der Zukunft. Über die zerstörerische
Wirkung unseres Geldsystems", S. 79 ff.)
Das UN-Entwicklungsprogramm UNDP hat dargestellt, dass die 20
% Reichsten der Welt 85 % des Welteinkommens zu ihren immensen Vermögen
hinzu vereinnahmen, während die restlichen 80 % sich in 15 % teilen
müssen; die 20 % Ärmsten bekommen nur 1,6 %. Vor 30 Jahren hatten
die 80 % Nicht-Reichsten noch die doppelte Menge (30 %) für sich.
Die Schere zwischen Arm und Reich geht also ständig noch weiter
auseinander. Wie lange wird die Masse der immer ärmer werdenden
Mehrheit das erdulden? Hier liegt die Wurzel des Terrorimus!
Diese Entwicklung kann nicht auf Dauer so weiter gehen. Früher
oder später wird es zu einem wirtschaftlichen Umbruch kommen. Von
unseren Politikern hören wir nichts zu diesen Problemen. Also sind
wir, die Bürger, aufgerufen, wirksame Lösungen zu suchen, auszuarbeiten,
bekanntzumachen und ihre Verwirklichung zu betreiben, in der Hoffnung,
auf diese Weise eine zukünftige Wirtschaftskatastrophe zu lindern
und uns in eine bessere Zukunft zu lenken.
Um das Problem in seiner ganzen Tragweite in den Griff zu bekommen,
sollte man sich - zunächst ohne Rücksicht auf Realisierungsdetails
- eine Zielvorstellung verschaffen. Wir fragen also: Wie könnte
eine gute und funktionierende Lösung im Endeffekt aussehen?
Das Volk - in seinem Auftrag der Staat - muss in die Lage versetzt
werden, seine Aufgaben zum Wohl der Bürger wahrzunehmen ohne Rücksicht
auf die Interessen der Kapitaleigner. Der Staat muss Maßnahmen ergreifen
können, um langfristig das Leben der Menschen in Gerechtigkeit und
die Gesundheit der ganzen Natur zu sichern.
Dazu benötigt er eine ständig fließende Finanzquelle. Eine Möglichkeit
zur Erschließung einer solchen Quelle könnte wie folgt geschaffen
werden:
Der Strom an Geld, der jetzt als Zinsen zu den Kapitaleignern
fließt, muss irgendwie umgelenkt werden in die Verfügung des Staates,
damit er der Gesellschaft, dem Volk, zugute kommt. Wie kann das
geschehen?
Dazu sind schon eine ganze Reihe von Konzepten vorgeschlagen:
Geldreform, Regiogeld, Tauschringe usw., Bodenreform, Bürgergeld,
Tobin- Steuer, Erhöhung der Ökosteuer bzw. Mehrwertsteuer bei Verminderung
der Einkommensteuern und Sozialabgaben.
Die meisten dieser Vorschläge bringen Verbesserungen auf dem
einen oder anderen Teilgebiet. Eine wirklich umfassende Lösung bietet
nur eine Abkehr von der herrschenden neoliberalen Wirtschaftsordnung
durch Einführung eines Geldsystems, das die (wenigen) Reichen nicht
noch reicher macht auf Kosten der (sehr vielen) Ärmeren und das
stattdessen den Staat finanziell stärkt.
Ein solches Geldsystem, sog. "fließendes Geld" hat
es schon vor Jahrtausenden und im Mittelalter in blühenden Wirtschaftsräumen
gegeben. Es wurde Anfang des vorigen Jahrhunderts von Silvio Gesell
neuerdings vorgeschlagen und in lokalen Beispielen erprobt. Die
Realisierungen seines Konzepts waren jedoch lokal begrenzt. Sie
brachten unter den damaligen Bedingungen das lokale Wirtschaftsleben
zum Aufblühen, aber verbesserten die Situation nicht nachhaltig,
weil sie nicht landesweit eingeführt wurde und schließlich verboten
wurden.
Heute stehen uns auf Grund der technischen Fortschritte neue
technische Möglichkeiten zur Verfügung, so dass sich ein solches
Geldsystem viel eleganter realisieren lässt.
"Fließendes Geld" basiert auf den folgenden Grundprinzipien:
- Die Zentralbank steuert den Geldfluss so, dass sich für
Spareinlagen, und Kredite ein Zins um 0 % herum einstellt. Geldkapital
soll sich nicht mehr durch Zinseszinsen ohne Arbeitseinsatz
vermehren können. Natürlich ist der Schuldenzins etwas höher
als der Guthabenzins; aus der Differenz muss die Bank ihre Aufwendungen
und Risiken abdecken.
- Als Anreiz, damit die Geldbesitzer, ihr Geld nicht mehr
horten oder für Spekulationen missbrauchen, sondern in den Wirtschaftskreislauf
einspeisen, werden Bargeld und Girokontenbestände einer "Geldhaltesteuer"
(z. B. 0,03 % pro Tag) unterworfen, während Sparverträge und
Darlehensverträge von dieser Steuer nicht betroffen sind. Dadurch
werden Stockungen des Geldflusses vermieden, das Geld fließt
im Wirtschaftskreislauf, die Tilgung von Schulden wird erleichtert,
Rückzahlungen erfolgen möglichst früh, sobald man liquide ist.
Durch den Wegfall der Zinsen sinken die Preise.
- Die Geldhaltesteuer zahlt immer der, der momentan über das
Geld verfügt, also derjenige, der das Geld als Bargeld oder
auf seinem Girokonto besitzt, auch wenn es nicht sein eigen,
sondern z. B. ein Bankdarlehen ist. Die Höhe der Steuer, der
sogenannte "Fließsatz", wird durch den Gesetzgeber
bzw. die Zentralbank festgelegt, z. B. 0,03 % pro Tag.
- Das Aufkommen aus der Geldsteuer fließt dem Staat zu, damit
er seine ureigensten Aufgaben zum Wohle der Bürger wahrnehmen
kann.
- Die Geldhaltesteuer wird automatisch abgeführt, dazu sind
verschiedene sich ergänzende Techniken denkbar:
- Tägliche automatische Abbuchung von den Girokonten,
- Intelligente Geldkarten, deren Inhalt sich täglich um den
Fließsatz verringert,
- "Subfluentes Geld", eine Doppelwährung zur Ermöglichung
von fließendem Bargeld (mit täglichem geringem Wertverlust)
neben der wertstabilen Hauptwährung für Preise, Gehälter und
Verträge.
(Das Konzept der subfluenten Währung, habe ich an anderer Stelle
ausführlich dargestellt).
Einzelheiten müssen von zuständigen Gremien ausgearbeitet werden.
Auf diese Weise gelingt die Umlenkung des oben genannten Zinsstroms
in die Verfügung des Bürgervolks anstatt in die Vermögensmasse der
wenigen Reichen in der Welt. Das fließende Geld macht die Hortung
von Geld unattraktiv und wirkt so dem exorbitanten Streben nach
Reichtum auf Kosten Ärmerer entgegen. Die Abwertung findet aber
unter der Oberfläche eines stabilen Wertsystems für Preise, Gehälter
und Verträge statt. Das Geld fließt also "unterhalb der Wahrnehmung",
daher "subfluent" (von lat. sub = unter und fluens = fließend).
Das abgeführte Geld fließt der Allgemeinheit wieder zu über den
Staatshaushalt. Der Staat kann mit diesen Finanzmitteln gemeinnützige
Aufgaben finanzieren: Schaffung neuer Arbeitsplätze im Gesundheits-
wesen (z. B. mehr Pflegekräfte), im Bildungswesen (z. B. Halbierung
der Klassenstärken), Unterstützung Bedürftiger, Alter und Kranker,
Umwelt-, Natur- und Tierschutz, Förderung von Forschung und Entwicklungen
(z. B. neue Energietechnologien und Maßnahmen zum Klimaschutz) usw.
zum Wohle der Menschen. Viele dringende Aufgaben werden ja heute
vernachlässigt, weil sie für die profitorientierte Privatwirtschaft
keine Gewinne abwerfen und weil der Staat dafür keine zusätzlichen
Finanzmittel hat.
Nach einer solchen Reform werden die Preise sinken infolge der
Verringerung des Zinsanteils. Einen Teil dieses Spielraums wird
der Staat nutzen zur gesundheits- und zukunftsorientierten Lenkung
des Konsums (durch Verbrauchsteuern, Ökosteuern). Dadurch und durch
weitere neue Einnahmequellen können in einer späteren Stufe Einkommensteuern
und Lohnnebenkosten überhaupt wegfallen, so dass der Unterschied
zwischen Schwarzarbeit und Normalarbeit entfällt und die staatliche
Verwaltung auf das Notwendige reduziert wird. Schließlich eröffnet
sich bei angemessener Entwicklung des Verantwortungsbewusstseins
der Bürger vielleicht sogar die Möglichkeit, ein Grundgehalt einzuführen,
um allen Personen die Chance auf freie individuelle Entfaltung ihrer
Neigungen und Begabungen zu geben.
Die nachfolgend aufgeführten Vorschläge sollen auf der Basis
einer solchen Geldreform beispielhaft Ideen für eine "Terra
viva", eine menschenwürdige "lebendige Welt", beschreiben.
Es werden Maßnahmen aufgelistet, durch die eine neue politische,
wirtschaftliche und kulturelle Ordnung erreicht werden könnte, in
der die Wirtschaft den Menschen dient und nicht umgekehrt.
Eine solche Reform lässt sich jedoch erst dann durchsetzen, wenn
ihre Vorteile von immer mehr Menschen verstanden werden und wenn
dadurch ein Umdenkprozess in Gang kommt, der schließlich auch die
zuständigen Politiker zum Handeln bringt.
Der zweite notwendige Schlüssel zur Gesundung unserer Situation
liegt also in einem neuen Bewusstsein globaler Zukunftsverantwortung
und in der Bereitschaft, bisher übliche Denkschablonen aufzugeben
und auf unangemessene persönliche Vergünstigungen (Zinsgewinne)
zu verzichten zugunsten einer zukunftsfähigen heileren Welt.
Das vorgeschlagene Konzept beinhaltet eine finanzielle Stärkung
des Staates. Manche Menschen haben heute das Vertrauen in unsere
Politiker verloren und fürchten, dass der Staat seine finanzielle
Stärke nicht zum Wohle der Bürger einsetzt, sondern ungenügend kontrolliert
für andere Interessen missbraucht (Begünstigungen von bestimmten
Unternehmen, Rüstung und andere Vorhaben als Prestige- und Machtprojekte).
Dem muss und kann entgegengewirkt werden. Einige Möglichkeiten dazu
sind im Kapitel "Politik" unter Punkt A2 dargestellt.
Die nachfolgenden Vorschläge sollen der Befreiung aus der Abhängigkeit
von Wirtschaftswachstum und Profiterfolgen des Kapitals dienen:
der Befreiung des Staates zur Handlungsfähigkeit zum Wohle der Bürger
und der Befreiung der Menschen aus verkrusteten überkommenen Strukturen,
damit sie ihre persönliche Freiheit zu schöpferischer Kreativität
und sinnorientiertem solidarischem Engagement in Verantwortung für
Mitwelt, Umwelt und Nachwelt entfalten können.
Liebe Leser, vielleicht fühlen Sie sich angesprochen, bei
diesem Projekt konstruktiv mitzuarbeiten, also mitzuhelfen bei der
weiteren Ausarbeitung und bei der Gewinnung von Unterstützern. Wir
freuen uns, wenn Sie uns Ihre Vorschläge, Ihre konstruktive Kritik
und Ihre weiterführenden Ideen mitteilen. Nur wenn wir eine wohldurchdachte
Vision vor Augen haben, werden wir den Weg in eine bessere lebenswerte
Zukunft finden.
"Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg
nicht haben." (Chr. Morgenstern)
A. Politik
- Grundlegende Reform des Geldsystems, damit der Staat (die
Bürgergesellschaft) über die Mittel verfügt, um eine zukunftsorientierte
Politik im Dienste der Menschen zu verwirklichen (siehe hierzu
den Punkt B2).
- Sanierung der Staatsfinanzen mit dem stetigen Mittelzufluß
aus der Geldreform, sowie aus höheren Verbrauchsteuern (Ökosteuern
u. a.) und Erbpachteinnahmen (siehe Punkt B4).
- Gegebenenfalls kann der Staat dann auf Einkommensteuern
verzichten und eine medizinische Grundversorgung finanzieren,
so dass Schwarzarbeit gleich Normalarbeit wird. Die Finanzverwaltung
schrumpft dadurch auf das Notwendige zusammen.
- Zugleich müssen die Entscheidungsträger in der Politik aus
der Enge der Parteipolitik heraus zu einem höheren Grad von
Verantwortung reifen, um mit ihrer Ordnungsmacht und den Finanzen
weitsichtiger umzugehen. Das kann gefördert werden durch Änderungen
am parlamentarischen Reglement in allen Parlamenten (EU, Bund,
Länder, Kommunen):
- Offenlegung der Quellen von Nebeneinkünften der Kandidaten
vor jeder Wahl und Verpflichtung auf den Verzicht von Nebeneinkünften,
bei denen ein Interessenskonflikt zu befürchten ist. Vielleicht
sogar generelles Verbot von Nebeneinkünften und Abhängigkeiten
während der Abgeordnetentätigkeit bzw. Amtszeit.
- Aufhebung der 5%-Klausel, damit frisches Engagement
und neue Ideen in die Parlamente kommen.
- Verbot jeglichen Fraktionszwanges. Förderung von Abstimmungen,
die quer durch die Fraktionen gehen. Abkehr vom heutigen
Gruppen-Denken und der Machtversessenheit der Parteien.
Stärkung der persönlichen Gewissensentscheidung.
- Stärkere Bürgerbeteiligung am politischen Prozess durch
häufige Volksentscheide auf allen politischen Ebenen. Die
Technik erlaubt hier neue Möglichkeiten elektronischer Abstimmung
über grundlegende aktuelle Fragen.
- Entwicklung einer Kultur der individuellen Verantwortung
am Arbeitsplatz und im alltäglichen Leben durch gesetzliche
Regelungen zum Schutz von Whistleblowern und zur Förderung innerbetrieblicher
kritischer Meinungsäußerung bis hin zum Aufdecken von Missständen
und unverantwortlichen Handlungen von Wirtschaftsunternehmen,
Behörden und Organisationen. Siehe hierzu auch Punkte B6) und
C5)
- Stärkung der Befugnisse der Parlamente von EU und UNO. Befreiung
auch dieser Institutionen aus der Abhängigkeit von Wirtschaft
und Finanzen und insbesondere aus der Erpressbarkeit durch reiche
Länder, die mit Zahlungsverweigerung drohen können.
- Finanzielle Förderung freier unabhängiger Medien (Fernsehen,
Rundfunk, Zeitschriften ohne Werbung). Förderung der unparteiischen
Meinungsbildung der Bürger.
- Erst wenn sich ein allgemeines Bewusstsein der Mitverantwortung
für das Gemeinwohl ausgebreitet, eine Abkehr vom vorrangigen
Streben nach Reichtum eingestellt hat und ein massiver Missbrauch
nicht mehr zu befürchten ist, kann an die Einführung eines allgemeinen
Grundeinkommens gedacht werden. Dann wird auch solchen Menschen
ein minimaler Lebensstandards zugesichert, die ihr Leben frei
und unabhängig kreativ gestalten wollen.
B. Wirtschaft
- Befreiung aus dem Zwang zum quantitativen Wachstum (der
die Mehrheit der Menschen benachteiligt und das Ökosystem schädigt),
Schwächung der Abhängigkeit der Wirtschaftsunternehmen von Kapitalgebern
und dem Zwang zur Profitmaximierung mit seinen Folgen (Konkurrenzkampf,
Kostensenkungen zu Lasten von Mitarbeitern, Produktqualität,
Natur-, Umwelt- Tierschutz usw.). Wirtschaft soll dem Menschen
dienen - nicht umgekehrt!
- Entscheidender Schritt dazu ist eine Geldreform: Einführung
einer Währung mit "fließendem Geld" (in der Einführung
erläutert). Dadurch erhält der Staat die finanziellen Möglichkeiten,
gemeinnützige Arbeiten in den Bereichen Bildung, Kunst, Natur-,
Umwelt- und Tierschutz, Landschaftspflege, Wissenschaft und
Forschung, medizinische Versorgung, Alten- und Krankenpflege
usw. zu finanzieren und vielfältige Subsistenzarbeit (Eigenversorgung)
zu fördern, während gleichzeitig, wegen Wegfall von Zinsen,
die Preise sinken.
- In Anbetracht des sinkenden Anteils menschlicher Arbeitskapazität
bei Produktion und Dienstleistungen: Abkehr vom bisherigen Streben
nach Vollbeschäftigung vorwiegend im privatwirtschaftlichen
gewinnorientierten Erwerbssektor. Stattdessen Schaffung von
zusätzlichen staatlich finanzierten Arbeitsplätzen auf den in
B2 genannten Gebieten (siehe Abschnitte C und D).
- Ergänzend zur Geldreform: Bodenreform: allmähliche Überführung
von Grundbesitz in Allgemeineigentum (Erbpacht), um Kapitalflucht
in unsozialen Grundbesitz zu behindern und den Staatshaushalt
zu unterstützen.
- Reform des Patentrechts: Patente dürfen die freie Benutzung
von Erfindungen nicht behindern, sondern sollen vor allem die
Ehre des Erfinders schützen. Dadurch soll Kooperation, Kreativität
und Engagement kleiner Wirtschaftseinheiten gefördert werden
und die Übermacht der Großunternehmen geschmälert werden.
- Verbot von Mobbing und Repressalien gegen Mitarbeiter, die
sich innerbetrieblich gegen unverantwortliche Aktivitäten einsetzen
(siehe Punkt A3)
- Jede Werbung und ähnlich unproduktive Aktionen werden mit
Steuern belegt, um kleinen Unternehmen mehr Chancen zu geben,
um die Bürger vor einseitiger Schönfärberei zu schützen und
der Papierverschwendung entgegenzuwirken. Stattdessen Ausbau
von vergleichenden Produktinformationsdiensten, z. B. Warentests
im Internet. Förderung werbefreier Medien (siehe Punkt A5).
- Förderung der regionalen Wirtschaft durch höhere Transportkosten
(z. B. Ökosteuern auf Treibstoffe zur Verteuerung des weltweiten
Güterverkehrs) und ggf. Wiedereinführung von Schutzzöllen. -
Wirtschaftliche Regionalisierung statt Globalisierung, aber
Hinarbeiten auf weltweite wirtschaftliche Chancengleichheit.
- Der finanziell unabhängige Staat kann die allgemeine Lebensumwelt
so (mittels Verbrauchssteuern) nach den Bedürfnissen der Bürger
zukunftorientiert beeinflussen und besser für die Arbeitslosen,
Kranken, Alten und Behinderten sorgen. Staat und Wirtschaft
dienen den Menschen.
C. Wissenschaft und Technik:
- Befreiung der Forschung aus der Abhängigkeit von Wirtschaftsinteressen.
Wissenschaft muss dem Menschen dienen, nicht (auch nicht indirekt)
dem Profitstreben. Grundsätzlicher Systemwandel in der technologischen
Evolution:
- Heutiger Zustand: Wirtschaftsmächte prägen das Leben
der Zukunft, indem sie neue Produkte gemäß ihrer Profitstrategie
entwickeln und mit Werbung vermarkten (auch wenn sie eigentlich
unnötig sind), während die wirklich lebensnotwendigen Bedürfnisse
der Armen nicht berücksichtigt werden, weil damit kein Geschäft
zu machen ist. Der Großteil der Forschung wird von der Industrie
finanziert und dient ihren Interessen. Die öffentlichen
Forschungseinrichtungen sind weitgehend auf Drittmittel
(Aufträge von Wirtschaftsunternehmen) angewiesen.
- Stattdessen anzustreben: Der Staat finanziert den weit
überwiegenden Teil der Forschung, er fördert neben breiter
Grundlagenforschung die Entwicklung technischer Neuerungen,
die der Allgemeinheit (allen Menschen, allem Lebendigen,
der Umwelt und Nachwelt) dienen, z. B. auf den Gebieten
der Energiegewinnung und -Speicherung, der Gesunderhaltung
von Luft, Wasser und Boden, sowie zur Milderung des Klimawandels.
Die Inanspruchnahme öffentlicher Forschungseinrichtungen
durch Unternehmen muss voll bezahlt werden, und alle Ergebnisse
müssen veröffentlicht werden.
- Weitung des Sichtfeldes der Wissenschaften über die materielle
Ebene hinaus: Transzendenzoffenheit, der Mensch ist nicht nur
Körper, ist nicht durch sein Genom allein bestimmt. Behandlung
von Fragen wie: Wer oder was ist der Mensch als Geist-Seele?
Gibt es Leben nach dem Tod? Ernstnehmen der Phänomene der Parapsychologie.
Suche nach dem Sinn und nicht nur nach Ursache und Zweck, Erforschung
immaterieller Information und Kommunikation, insbesondere in
lebenden Organismen.)
- Keine Förderung von Risikotechnologien wie Kerntechnik,
Gentechnik für Nahrungsmittel u. dgl.. Einbeziehung aller Nachfolgelasten
in die Preiskalkulation (z. B. bei Kernenergie: Entschädigung
von Aborigines, denen die Uranfundstätten gehören, Re-Naturierung
der Uran-Abbau-Halden usw. bis hin zu den Kosten einer sicheren
Entsorgung/Endlagerung des Atommülls bei voller Haftpflichtversicherung).
Berücksichtigung von Volksentscheiden; Verbot von Technologien,
die nachfolgende Generationen belasten.
- Abkehr von einseitiger Chemie- und Apparate-Medizin, Ergänzung
durch alternative Heilweisen, Psychosomatik, spirituelle Heilweisen,
verstärkte Forschung und Förderung auf diesen Gebieten.
- Besserer Schutz von Whistleblowern, die Verstöße gegen internationale
Konventionen (Verbote gegen A-B-C-Waffen, Schutz der biologischen
Artenvielfalt, Klimaschutz u. dgl.) und andere grob unverantwortliche
Missstände oder Vorhaben aufdecken (weil andernfalls die Einhaltung
solcher Konventionen nicht kontrolliert und durchgesetzt werden
kann). Ebenso Schutz von Außenseiterwissenschaftlern, die neuartige,
unkonventionelle Ideen entwickeln, vor unsachgemäßer Diffamierung
oder Unterdrückung.
- Reform des Patentwesens (siehe Punkt B6)
- Stiftung eines hochdotierten Preises (Millionenbudget) für
herausragende Leistungen zur Bereitstellung einer neuen (evtl.
unkonventionellen) brauchbaren Technologie zur umweltfreundlichen,
zukunftsfähigen, wirtschaftlichen Lösung des Energieproblems,
insbesondere der Gewinnung und Speicherung elektrischer Energie,
unter Befreiung von evtl. patentrechtlichen Behinderungen.
D. Bildung und
Kultur:
- Wesentliche Erhöhung (Verdoppelung) der Anzahl von Lehrkräften
auf allen Ebenen des Bildungssystems, damit die Klassenstärken
auf etwa die Hälfte herabgesetzt und die individuelle Förderung
verbessert werden kann. Dadurch können sowohl Hochbegabte als
auch schwächere Schüler besser gefördert werden. Ergänzung von
theoretischer Bildung durch handwerkliche Ausbildung an allen
Schulen, um vielfältige Begabungen zu fördern. Ganztagsschulen
mit Projektgruppen aus verschiedenen Altersstufen zum Üben von
Kooperation und Aufgabenverantwortung. Diese und andere Maßnahmen
helfen zur besseren Motivation der Schüler. Lernen muss Spaß
machen. Persönliches Interesse führt zu wesentlich höheren Lernerfolgen.
- Befreiung der Schulen aus dem Zwang, taugliche Arbeitskräfte
für die Industrie heranzubilden. Ziel der Pädagogik muss neu
definiert werden im Sinne einer besten Entfaltung der Anlagen
des Zöglings, damit er seine eigenen Ziele finden und sie in
Freiheit, Kooperationsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein
bestmöglich verwirklichen kann. Einübung im Mut zum Handeln
nach dem Gewissen. Die Mitverantwortung für die Zukunft und
das friedliche Leben auf dem Planeten muss zum allgemeingültigen
Ethos gehören und schon an den Schulen geübt werden.
- Staatliche Unterstützung freier innovativer privater Bildungs-,
Forschungs- und Sozialeinrichtungen, um neue Prinzipien zu erproben
und zu praktizieren.
- Hinwirken auf weltweite Bildungs-Chancengleichheit
- Förderung eines freien Kulturlebens, bessere finanzielle
Unterstützung von qualifizierten Theatern, Orchestern, Museen
usw.
- Ermöglichung der kreativen Entfaltung von hochbegabten Künstlern
Musikern, Schriftstellern, damit diese nicht nach materiellen
Verdiensten trachten müssen (siehe hierzu auch Punkt A6).
- Förderung eines religiösen Lebens, das der individuellen
Überzeugung und spirituellen Erfahrung Raum gibt und die Pluralität
der persönlichen religiösen Wege respektiert. Pflege einer Kultur
der Begegnung, in der jeder sich bemüht, den anderen zu verstehen,
anstatt ihn zu bekehren oder zu missionieren oder zu bekämpfen.
- Förderung der Formulierung und Verbreitung allgemeiner ethischer
Normen, die in allen Kulturen anerkannt werden (z. B. Projekt
Weltethos und Earth Charta).
*
* *
Literatur
- Michel Chossudovsky: Global brutal. Der entfesselte Welthandel,
die Armut, der Krieg (Verlag Zweitausendeins, Frankfurt, 14.
Aufl. 2002)
- Helmut Creutz: Das Geld-Syndrom. Wege zu einer krisenfreien
Marktwirtschaft (Wissenschaftsverlag Mainz, Aachen, 5. Aufl.
2003)
- Helmut Creutz: Die 29 Irrtümer rund ums Geld (Signum Wirtschaftsverlag,
München, 2007)
- Wolfgang Heiser: Wie ein Tabu unsere Welt zerstört. Von
der Exponentialfunktion zum Treibhauseffekt (Christen für gerechte
Wirtschaftsordnung e. V., Berlin, 2005; auch im Internet unter:
www.wieeintabu.de)
- Margrit Kennedy: Geld ohne Zinsen und Inflation. Ein
Tauschmittel das jedem dient (Goldmann Verlag, München, 1994)
- Bernd Senf: Der Nebel um das Geld. Zinsproblematik, Währungssysteme,
Wirtschaftskrisen: ein AufklArungsbuch (Gauke Verlag, Lütjenburg,
6. Aufl. 2001)
CDs/DVDs
Wolfgang Berger: Wertschöpfung oder Abschöpfung. Voraussetzungen
einer zukunftsfähigen Wirtschaftsordnung. 2 CDs oder 2 DVDs.
(G. Emde Verlag, Seeoner Str. 17, 83132 Pittenhart, 2008)
Zeitschriften
FAIRCONOMY, für eine Welt mit Zukunft. Zeitschrift der Initiative
für Natürliche Wirtschaftsordnung e. V. (INWO). Email: inwo@inwo.de
HUMANE WIRTSCHAFT, herausgegeben vom Förderverein Natürliche
Wirtschaftsordnung e. V.
Internet
Förderverein Natürliche Wirtschaftsordnung e. V. http://www.humane-Wirtschaft.de
Initiative für natürliche Wirtschaftsordnung, INWO Deutschland
e. V. http://www.inwo.de
Christen für gerechte Wirtschaftsordnung e. V., CGW http://www.cgw.de

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